Beitragsbild Kein weiterer Verkehr durch unsere Orte

8000 neue Arbeitsplätze zwischen Radeberg und Arnsdorf – und es ändert sich nichts?

Es ist toll, wenn wir über 135 Hektar landwirtschaftliche Fläche zu Gewerbegebieten umplanen und damit einen Haufen Steuereinnahmen bekommen – so sie denn wirklich kommen, siehe unser Beitrag Flächentausch Arnsdorf – Radeberg: Geht Arnsdorf leer aus?.

Im seit 1993 gebauten Gewerbegebiet  Ottendorf-Okrillla arbeiten über 6000 Beschäftigte in 70 Firmen auf 100 Hektar. Mit guter Verkehrsanbindung für die Beschäftigten nach Dresden und Königsbrück mit Bus, Bahn und Autobahn, und natürlich sehr, sehr vielen LKW und PKW, die so jeden Tag durch Ottendorf-Okrilla rollen! Trotz des A4-Anschlusses direkt ins Gewerbegebiet.

100 Hektar für 6000 Beschäftigte! Bei 135 Hektar bedeutet dies bei uns ca.  8.000 Arbeitsplätze. Vielleicht nicht ganz so viel.

Es wird behauptet, dass die Menschen weggehen, wenn die Gewerbegebiete nicht kommen.*)

Haben wir hier 8000 hochqualifizierte Arbeitssuchende, die weggehen, wenn die Gewerbegebiete nicht kommen? Nein! 2022 hatten Radeberg und Arnsdorf zusammen ca. 650 Arbeitslose, davon ca. 260 Langzeit-Arbeitslose, Durch diese Gewerbegebiete wird der Raum Arnsdorf – Radeberg zu einem Zuzugsgebiet für Tausende  Menschen! Inklusive ihrer Familien!

8000 Menschen wollen nicht am Arbeitsplatz schlafen, sondern wo?

In der näheren Umgebung, also Arnsdorf, Wallroda, Radeberg, Kleinwolmsdorf, Fischbach, Stolpen, vielleicht noch Kamenz, Pulsnitz, Großerkmannsdorf, Großröhrsdorf. Ungefähr für jeden Ort ca. 500 bis 1000 Einwohner zusätzlich.

Dafür müssen ALLE Zuzugsgemeinden Wohnsiedlungen planen, erschließen und bauen. Bei 8000 Beschäftigten ca. 6000 bis 7000 Wohnungen. Viele wollen ein Eigenheim. Für vielleicht 3000 Eigenheime ergeben sich 3000 x 500 Quadratmeter = 150 Hektar, viel mehr als die Gewerbegebiete. Die anderen, die kein Eigenheim wollen, wohnen dann in 2…3-stöckigen Mehrfamilienhäusern. Auch die brauchen Fläche, Energie, Wasser und Abwasser und örtliche Infrastruktur. Das bedeutet sehr viel Geld und Fläche für Planung und Erschließung. Das müssen die Gemeinden aufbringen bevor die Menschen in den Gewerbegebieten arbeiten.

Kitas, Schulen, Arztpraxen, Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten werden benötigt, hierfür sind weitere Flächen, Investitionen und Beschäftigte nötig.

Die Gemeinde Arnsdorf hat im Haushaltsplanentwurf 2025 für Ende 2028 Null Euro liquide Mittel im Gemeindehaushalt stehen!

Schon heute werden vereinzelt in Arnsdorf Wohnungen mit ca. 100 m² für weit über 1000 Euro warm vermietet. Die Mietkosten werden dann wohl konstant auf über 10 Euro pro m² steigen. Die Grundstückskosten und Grundsteuer, die sich auch nach Art der Bebauung richtet, werden drastisch steigen. Wohnen wird für Einwohner immer unerschwinglicher werden.

Und der Verkehr, der über die S177 in die Gewerbegebiete rollt?

Auszug aus einem Podcast: „Verkehrsanbindung top, Dresden in Reichweite.“

Jeden Tag 8000 Menschen, die – mangels Bahnanschluss – mit Bussen, Fahrrad oder PKW von ihrem nahegelegenen Wohnort in die zwei Gewerbegebiete pendeln. Wo entlang werden die Menschen, die dann hier ihre Heimstatt haben, wohl fahren?

Zu großen Teilen durch Fischbach, Arnsdorf und Wallroda zum Gewerbegebiet, also die Stolpener Straße. Menschen aus Radeberg und Umgebung fahren durch Radeberg. Und da das Gewerbegebiet schön weit weg von den Bahnhöfen Radeberg und Arnsdorf liegt, wird wohl die Alternative Bahn auf der Strecke bleiben.

2024 schrieb die Fischbacher Ortsvorsteherin betreffs der extremen Verkehrsbelastung durch die Sperrung der B6 wegen Radwegbau in ihrem Grußwort:

Auszug aus Beitrag "Grußwort Fischbach" der Ortsvorsteherin in "die Radeberger" Ausgabe 20.12.2024
Auszug aus Beitrag „Grußwort Fischbach“ der Ortsvorsteherin in „die Radeberger“
Ausgabe 20.12.2024

Fischbach hat nicht mal einen Fußweg an der S159. Wie kompliziert sich der Bau gestalten würde, kann sich jeder vor Ort ansehen und sich auch mal über die Folgen für die Anlieger der Stolpener Straße Gedanken machen.

Und auch die Arnsdorfer wissen, welche teilweise chaotischen Zustände für viele Monate an der Einbindung der Hauptstraße bei der Kirche und auf der Stolpener Straße im Bereich Tankstelle trotz der Bau-Ampel herrschten.

Es ist unverantwortlich zu verbreiten, dass der Straßenverkehr nur auf der S177 stattfindet, nicht durch unsere Orte führt und dass das keinerlei Auswirkungen auf unsere Wohnqualität haben wird!

Zum Güterverkehr

Auch der ist bei der Lage der Gewerbegebiete vom Bahnanschluss nahezu ausgeschlossen. Es ist eine Zukunftsentscheidung, ob immer mehr LKW über unsere Straßen rollen oder nicht doch perspektivisch ein Bahnanschluss möglich ist.

Und dass der gesamte Güterverkehr nur über die S177 rollt? Das dürfte wohl nicht der Fall sein. Schon der Verkehr bei der Erschließung der Gewerbegebiete, auch der mit Transportern und LKW, wird nicht nur über die S177 laufen. Es wird Zulieferer und Unternehmen in Richtung Stolpen geben, für die die Stolpener Straße die wirtschaftlichste Verbindung für den Transport zu den Gewerbegebieten sein wird.

Und die Autobahnnähe? 2022 gab es auf den Bundesautobahnen im Bereich Sachsen 5558 Unfälle, 2023 6.299, also Tendenz steigend. Bei einer Sperre der A4 zwischen Ottendorf-Okrilla und Leppersdorf rollt der gesamte Verkehr aus der Dresdener Richtung zu den Gewerbegebieten durch Seifersdorf und staut sich an der Ampel in Radeberg. Bei einer Sperrung zwischen Ohorn und Leppersdorf rollt der aus Richtung Görlitz kommende Verkehr durch Großröhrsdorf. Und wenn die Abfahrt Leppersdorf dicht ist?

Was das für die Einwohner und den Verkehr bei diesen großen Gewerbegebieten bedeutet weiß jeder, der mal eine gesperrte Autobahn umfahren wollte. Und Sperrungen von Auf- und Zufahrten müssen ja nicht nur mit Autobahn-Unfällen zusammenhängen.

Auch hierfür böte die Einplanung von Bahnanschlüssen und eine entsprechende Lage der Gewerbegebiete perspektivisch eine Lösung.

Auch deswegen sind nicht nur die Größe, sondern auch die Lage der zwei Gewerbegebiete zu hinterfragen.

Wir hinterlassen unseren Kindern und Enkeln mit diesen Gewerbegebieten eine extrem mangelhafte und/ oder teure Wohn-Infrastruktur,  Verkehrslärm, Staus in unseren Orten und eine Umgebung, in der eigentlich keiner wohnen will. Andreas‘ Prolog „Herzlich Willkommen!“ zeigt deutlich, wohin das führt!

*) Hinweis: Zur Verdeutlichung sind die Zahlen von uns aus folgenden Statistischen Tabellen hergeleitet, sie sind in den Tabellen prozentual angegeben

Arnsdorf, 2022, Quelle: Sachsen.DE, Sächsische Kommunalindikatoren

Radeberg, 2022, Quelle: Sachsen.DE, Sächsische Kommunalindikatoren

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