Wir hatten im Rahmen unserer Aktivitäten Gespräche mit mehreren Landwirten und Menschen, die von der Landwirtschaft leben. Außerdem viel recherchiert, gesehen und gelesen.
Landwirt M.* aus unserer Gemeinde hat Flächen gepachtet, die er gemeinsam mit seiner Familie bearbeitet – nicht im geplanten Gewerbe-Gebiet, aber auf Flächen unserer Gemeinde.
Er sagte uns im Gespräch: „Wir haben nun mal in unseren Gemeinden Landwirtschaft. Und wenn da 135 Hektar verloren gehen, wird der Boden knapper. Und was kommt dann? Ein Verdrängungswettbewerb um Boden, bei dem so ziemlich alle verlieren. Die Pacht wird nämlich steigen, und wenn die ins Nichtbezahlbare steigt, werde ich von der Landwirtschaft nicht mehr leben können.“
Und so wird es einigen Betrieben ergehen. Die Planungen richten sich also direkt gegen die vorhandenen Landwirtschaftsbetriebe und unsere regionale landwirtschaftlich geprägte Wirtschafts-Infrastruktur. Es ist zu erwarten, dass auch weitere Landwirtschaftsbetriebe dem folgenden Verdrängungswettbewerb nicht standhalten. Und damit auch deren Angestellte ihre Arbeit verlieren.
Ein solches Ausbooten unserer Landwirtschaft halten wir für unverantwortlich.
Weiterhin schrieb er uns einige Zeit nach dem Gespräch:
„Es sollte jedem Menschen bewusst sein, dass der Boden die Hauptproduktionsgrundlage der Landwirtschaft und der Lebensraum vieler verschiedener Lebewesen ist, die man auf den ersten Blick nicht alle gleich sieht! Für mich beginnt gelebter Umwelt- und Klimaschutz bei der regionalen Produktion von Lebensmitteln. Flächen die einmal bebaut sind, sind für immer unwiederbringlich für die Landwirtschaft verloren. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, dass Gewerbegebiete auf der „grünen Wiese“ auch noch gefördert werden. Und solange es noch Industriebrachen gibt, soll dort neue Industrie angesiedelt werden!“
Aus diesem Brief haben wir die Überschriften für die folgenden Anmerkungen gezogen.
Landwirt M.: „Für mich beginnt gelebter Umwelt- und Klimaschutz bei der regionalen Produktion von Lebensmitteln.“
Vor kurzem beschloss die EU einen Liefervertrag über Landwirtschaftsprodukte mit Südamerika, den Mercosur-Vertrag, auf dessen Konsequenzen unter anderem hier eingegangen wird. Im Vordergrund steht „dass die gesamtwirtschaftlichen Vorteile eindeutig überwiegen würden. Zum Thema Pestizideinsatz erklärt das Bundeswirtschaftsministerium, …, dass die in der EU geltenden Höchstwerte für Rückstände nicht überschritten werden dürften.“
Wer will hier Fleisch und Gemüse essen, von dem niemand weiß, wo es eigentlich herkommt und welche Chemikalien (nichts anderes sind Pestizide) und Genveränderungen bei Pflanzen und Tieren zur Anwendung kamen?
Zukünftig mit weiterer Forschung in Ernährungstechnologien vielleicht vollständig aus der Retorte?
Das kann nicht der Weg sein. Wird hier noch Landwirtschaft betrieben, wenn Arnsdorf und Radeberg einfach mal so 135 Hektar Fläche wegnehmen? Werden weiterhin Menschen aus unserer Gemeinde in der Landwirtschaft Beschäftigung finden und für unser aller Ernährung mit Erzeugnissen sorgen, die den strengen EU- und Bundes-Regeln unterliegen?
Landwirt M.: „Flächen die einmal bebaut sind, sind für immer unwiederbringlich für die Landwirtschaft verloren.“
Es wird von „Ausgleichs-Maßnahmen“ geredet!
WO sollen denn diese stattfinden? Auf den noch vorhandenen freien Flächen? Im Karswald oder in der Massenei? Oder wird dafür Landwirtschaftsfläche aufgeforstet? 135 Hektar?
In Arnsdorf wurde vor einigen Jahren eine Umwidmung von landwirtschaftlichen Nutzflächen zu Waldflächen im Bereich Tanneberg / Massenei vom zuständigen Forstamt geplant – als Ausgleichs-Maßnahme für den Bau der S177! Der Technische Ausschuss des Gemeinderates Arnsdorf hatte den Antrag des Forstamtes abgelehnt, weil die Landwirtschaft die Flächen braucht. Das haben viele Gespräche mit Bauern im Vorfeld gezeigt. Doch diese Entscheidung des Gemeinderates zugunsten der Landwirte wurde von der übergeordneten Behörde eingezogen.
Damit fielen ca. 20 Hektar Landwirtschaftsfläche – also die Fläche von ca. 30 Fußballfeldern – weg, die unseren Bauern zum Lebensunterhalt fehlen. Bereits einige Jahre vorher waren als Ersatzflächen für einen Müller-Milch-Anbau etwa die gleiche Menge Flächen der Landwirtschaft entnommen worden. Wehren können sich die Landwirte dagegen nicht, da diese Flächen nur gepachtet sind und auch nicht an sie verkauft werden.
Wie wir also in unserer Gemeinde selber erfahren konnten, sind diese sogenannten Ausgleichsflächen Alibi, nichts anderes. Zu erwarten sind nicht nur 135 Hektar weggenommene Landwirtschaftsfläche für Gewerbegebiete, sondern zusätzlich maximal 135 Hektar weggenommene Landwirtschaftsfläche für Ausgleichs-Maßnahmen! Damit das nicht so offensichtlich wird, sicher woanders. Also maximal 270 Hektar, die den Landwirten und deren Angestellten hier und weiter weg weggenommen werden! Mit allen Folgen für die betroffenen Betriebe! Wollen wir DAS wirklich?
Landwirt M.: „Für mich ist es nicht nachvollziehbar, dass Gewerbegebiete auf der „grünen Wiese“ auch noch gefördert werden.“
2024 zerstörte Unwetter mit tagelangen Starkregen bis 500 Liter in 24 Stunden große Landwirtschaftsgebiete in Europa – Polen, Tschechien, Frankreich, aber besonders Spanien mit sehr vielen Toten, Zerstörungen in Städten, Dörfern und besonders in der Landwirtschaft. Je mehr WIR uns darauf verlassen, dass wir landwirtschaftliche Produkte importieren können, desto unzuverlässiger wird nicht nur UNSERE Versorgung werden, sondern die Europa- und weltweite Versorgung. Es muss ein Netz von Landwirtschaftsflächen außerhalb der Städte ohne zwischengelagerte überbaute Flächen geben, das gegen solche Unwetterereignisse stabil ist. Wenn eine Region von einem Unwetter betroffen ist, müssen genügend andere Flächen da sein, die die landwirtschaftliche Funktion der betroffenen Flächen über ein bis zwei landwirtschaftliche Perioden übernehmen können. Wir werden unsere Ernährung schon aus Klimagründen nur langfristig absichern können, indem wir unsere vorhandenen Flächen erhalten und nicht überdimensionierten Gewerbegebieten opfern!
UND! Solche Unwetter werden gerade durch die Gewerbegebiete den umliegenden Dörfern zum Verhängnis werden. Großerkmannsdorf, Kleinwolmsdorf und das Areal um die Pillnitzer Straße liegen tiefer als das geplante Gewerbegebiet westlich der S177. Auch die Häuser von Wallroda liegen tiefer als das geplante Gewerbegebiet östlich der S177. Diese Orte müssen mit besonderen Maßnahmen gegen Überschwemmungen gesichert werden. Die Investitionen werden nicht aufgebracht werden. Es wird von Normwerten ausgegangen, die die Unwetter von 2024 und vorher nicht berücksichtigen können. Weil soviel Geld in den Schutz der betroffenen Gebiete nicht investiert werden kann. Dann wird der Bau eines Gewerbegebietes unwirtschaftlich! Und somit wird länger anhaltender Starkregen mit entsprechenden Überschwemmungen für die Stadt Radeberg, die Gemeinde Arnsdorf und die auf 135 Hektar Gewerbetreibenden zu unkalkulierbaren finanziellen, wirtschaftlichen, urbanen und sozialen Risiken führen. Der Klimawandel wird um unsere Region keinen Bogen machen!

Und das wussten diejenigen, die 2013 den Flächennutzungsplan für die Gemeinde Arnsdorf erstellten! Der eine Überbauung ausdrücklich nicht vorsieht! Der aber mit Beschlussfassung über die Bauleitplanung der Gewerbegebiete auf Empfehlung der Fördermittelgeber – FRL RegioPlan – FAQ zum Aufruf 2024, Frage 9 – ebenfalls zur Disposition gestellt wird!
Natürlich trifft so ein Ereignis auch unsere Landwirte, wenn die Gebiete Ackerland bleiben. Aber durch die bleibenden Versickerungsmöglichkeiten haben solche Unwetter wesentlich geringere Auswirkungen. Es wird dann die Ernte der bestellten Fläche hin sein. Und diverse Straßen werden auch weiterhin in Mitleidenschaft gezogen werden. Mit diesem Risiko lebt aber Landwirtschaft schon seit 5000 Jahren. Und das wissen unsere Landwirte.
Hierfür stehen auch Ausgleichsmittel zur Verfügung, aber wenn Menschen wegen der zu erwartenden Wassermengen durch überbaute Großflächen zu Schaden kommen? Das Ahrtal lässt grüßen.
Beispiele dazu aus unserer Gemeinde
Schon der Bau des Wohngebietes „Unterer Steinberg“ in Arnsdorf hat 2024 dazu geführt, dass die darunter liegenden viel älteren Wohngebäude bei einem etwas stärkeren Regen überflutet wurden. Zitat aus den Seiten des Bürgerforums zur Gemeinderatssitzung vom 25. September 2024: „Ein Bürger teilte mit, dass es erstmals nach 50 Jahren am 18.08.2024 durch den Starkregen auf der Käthe-Kollwitz-Straße zu Überschwemmungen in den Häusern gekommen ist.“ Ca. 1993 war ein Starkregen in Arnsdorf, der die Bahnhof- und Hauptstraße überflutete. Ca. 2016 wurde die Weststraße vom Schlamm von den angrenzenden Feldern überflutet, der sich in vielen Tiefgaragen sammelte. Und nun direkt nach Erschließung eines kleinen Wohngebietes im Oberdorf eine Überschwemmung der darunter liegenden Häuser? Obwohl laut Bauamt die Regenwasserableitung „normgerecht ausgeführt wurde“?
Dass die Großerkmannsdorfer Straße durch Kleinwolmsdorf 2024 durch ein Unwetter so beschädigt wurde, dass sie mehrere Tage nicht befahrbar war? Und das auch das unser Dorfsäckel belastet? Was wird in Kleinwolmsdorf oder Wallroda passieren, wenn die beplanten Flächen tatsächlich überbaut sind und das Wasser bei „nicht normgerechten“ Starkregen einfach alles wegspült und keine Chance mehr hat, im Ackerboden teilweise zu versickern? Weil der weg ist!?
Es gibt leider mit sich stetig änderndem Klima kein normgerechtes Unwetter! Die Unwetter werden mehr – und heftiger. Und auch das sollten wir bedenken, ehe wir der Planung von Gewerbegebieten in diesem hügeligen Gelände, das oberhalb größerer Teile unserer Ortschaften liegt, zustimmen!
Landwirt M.: „Und solange es noch Industriebrachen gibt, soll DORT neue Industrie angesiedelt werden!“
Es gibt in den Kohlerevieren großflächig geschädigte Regionen. DANN kann man aber auch gleich dort die 135 Hektar Gewerbegebiet aufbauen und muss nicht unsere Landwirtschaft kaputt machen.
Wie sagt unser Landesvater immer mal wieder: „Wir brauchen in der Kohleregion hochqualifizierte Arbeitsplätze!“.
In Radeberg steht das Robotron-Gelände „weitestgehend“ leer, Weitestgehend, wenn man berücksichtigt, dass dort bis 1990 viertausend Arbeitsplätze in den Gebäuden und heute teilweise abgerissenen Baracken waren. Ein Bruchteil von den ca. 40 Hektar ist dort aktuell mit Gewerbe belegt. Das Gelände war mit Gleisanschluss ausgestattet und hat heute über Straße und Fußweg eine direkte und kurze Verbindung zum Bahnhof und Güterbahnhof. Es ist vieles da oder könnte wieder errichtet werden. Den Güterbahnhof als Container-oder Trailer-Umschlagplatz ausbauen, die Menschen aus dem Umland können mit Bahn und Bus vom Bahnhof aus fußläufig oder mit Rad zur Arbeit. Warum also nicht auf dem Robotron-Gelände wieder ein modernes Gewerbegebiet planen und realisieren?
Weil das Robotron-Gelände einem „Investor“ gehört, wie Radebergs OB Höhme am 31. Januar 2024 in der Ratsversammlung zur Beschlussdiskussion zu den Aufstellungsbeschlüssen ausführte? Weil es einfacher ist, Bauern das Land zu nehmen? Weil sie das Land meistens nur noch gepachtet haben?
Unser Fazit
ist, dass man nicht nur eventuell irgendwann mal das Dorfsäckel füllende Steuereinnahmen sehen sollte, sondern auch die naturgegebenen Risiken für unsere Einwohner. Und vor allem die fortlaufende Bedrohung unserer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde, der sicher auch mittelständisches Gewerbe gut tut, aber nicht mit einer Größe von 135 Hektar und zigtausend Arbeitsplätzen! Darum sagen wir klar: JA zur Ablehnung der Überplanung von über 135 Hektar!
Hinweis:
Aufgrund von Hinweisen von Landwirt M. zu den Zitaten und Begriffen wurden Zitat-Passagen und einige Begriffe überarbeitet. 22.01.2025
*) Wir veröffentlichen keine Namen von Personen in unseren Artikeln, es sei denn, diese haben der Veröffentlichung zugestimmt oder sind Personen der Öffentlichkeit